
“Wenn ich jetzt auf der richtigen Spur bin, Müller, dann kuf’ ich mir heute Abend so’n AFFEN!”
Karl Lohmann, der Archetyp des witzigen, aber schlecht gelaunten Inspektors, war eine der zahlreichen, wegweisenden Figuren des Fritz Lang – unverkennbar an seinem Berliner Dialekt, der Zigarre im Mund und dem Bierbauch, erinnert er an Ludwig Erhard oder Winston Churchill. In gleich zwei Meisterwerken spielte Otto Wernicke, der Sohn eines Brauereidirektors aus München, den stämmigen Kriminalkommissar Lohmann. 1931 in “M – Eine Stadt sucht einen Mörder” und 1933 in “Das Testament des Dr. Mabuse”. Lang hatte ursprünglich keine Beibehaltung seiner Figur in einem anderen Film vorgesehen, aber “Onkel Lohmann” kam beim Publikum so gut an, dass er sich entschied, Wernicke für seinen vorerst letzten Film in Deutschland zurückzuholen.

“Machen Sie keinen langen Quatsch!”
Wäre Lang 1933 nach einem Gespräch mit Goebbels, der ihn zwei Jahre zuvor in seinem Tagebuch mit dem Eintrag “Lang wird einmal unser Regisseur” würdigte, nicht aus Deutschland geflohen, so hätten wir vielleicht die eine oder andere Rolle des Kriminalkommissars Lohmann noch erlebt. Möglicherweise wäre Lohmann sogar zum ersten “Serienermittler” der Filmgeschichte geworden. Die Zensur durch Goebbels ließ Lang aber keine andere Möglichkeit als zu fliehen. “Das Testament des Dr. Mabuse” wurde als einer der ersten Filme auf Anordnung Goebbels’ verboten. Über den Film schreibt er in sein Tagebuch: “Sehr aufregend. Aber kann nicht freigegeben werden. Anleitung zum Verbrechen.” Die unangenehmen Naziparallelen erscheinen glaubhafter als wahre Ursache für das Verbot.
Fritz Lang wird später in einem Fernsehinterview demütig behaupten, dass er schweißgebadet in dem Büro des Reichspropagandaministers saß und als Goebbels ihm zum Abschied die Hand schüttelte, nur ein höfliches “Ich fühle mich geehrt” herausbrachte. Danach soll er angeblich sofort seine Koffer gepackt und das Land so schnell wie möglich verlassen haben. Seine Reisedokumente sprechen aber eine andere Sprache: Lang hatte gelogen. Seine Flucht war nicht übereilt, sondern bis ins kleinste Detail geplant gewesen. Es war ein überlegter Schritt, was eher für seine Voraussicht und Intelligenz spricht als für das Bild des naiven, gutgläubigen und unpolitischen Filmregisseurs, das er für Hollywood, seiner neuen Heimat, kreierte. Die Deutschlandpremiere von “Das Testament des Dr. Mabuse” fand erst am 24. August, 1951 statt.
Das Jahr 1933 war nicht nur für Fritz Lang ein persönlicher Wendepunkt, auch Otto Wernicke hatte ein Problem mit den Nazis bzw. die Nazis hatten eins mit ihm. Er war mit einer Jüdin verheiratet. “Berufsverbot” scheint in diesem Abschnitt der Geschicht eine eher milde Bestrafung, aber davon war nicht die Rede. Im Gegenteil, Otto Wernicke bekam eine Sondergenehmigung von der Reichskulturkammer (also von Goebbels höchstpersönlich), um weiterhin seinen Beruf ausüben zu können. Möglicherweise hat ihm seine Beliebtheit das Leben gerettet. Man mag es sich kaum vorstellen, aber Schauspieler waren damals noch umschwärmter als heute. Goebbels hat also eine – aus Sicht der Nazis – strategisch kluge Entscheidung getroffen, er konnte es sich einfach nicht leisten, den Publikumsliebling Lohmann zu denunzieren.

“Zum Kotzen!”
So müssen wir uns mit den zwei Einsätzen des verplanten, Zigarren rauchenden, leicht reizbaren, aber trotzdem sympathischen Kriminalkommissars zufrieden geben. Übrigens, Lohmann ist im Geiste mit Inspektor Columbo verwandt – ähnlich wie Columbo lässt Lohmann den Antagonisten im Glauben, dass er in Sicherheit sei, um ihn dann mit seinem Scharfsinn zu überwältigen.

“Ich glaube, Herr Professor, Sie unterschätzen die Anzahl der Gebiete, für die ich mich interessiere.”